Was ist KI: Kolossale Intervention?

Gestern beim Italiener hatten wir das Thema künstliche Intelligenz am Wickel. Direkt nachdem ich das „Unwort“ fallen gelassen hatte, Was ist KI: kolossale Intervention?-  Kollage aus mehreren Quallen-Bildern, kombiniert mit mehreren Protestschriftentfernerbildern - copyright by form:f - critical : designsank die Stimmungstemperatur auf Null. Schlagartig pendelte sie zwischen Wut, Frust und Resignation. Eine Freundin meinte, sie fühle sich abgehängt von der Entwicklung. Sie könne jetzt besser verstehen, wie sich die Leute aus den Osten nach der Wende gefühlt hätten.Ein anderer sagte etwas unsicher: „Oh, künstliche Intelligenz, großes Thema. Davon habe ich keine Ahnung.“ Ein dritter giftete: „facebook und Google wissen ja sogar schon, was wir fühlen – und jetzt noch künstliche Intelligenz. Das ist der Untergang!“ Das ist die eine Seite der Medaille…

Job-Alltag

Für die andere Seite ist KI Alltag. Für sie sind bedeutet künstliche Intelligenz „einfach“ diverse digitale Tools und Services. Frau/man verwendet sie im Job genauso wie z.B. Grafikprogramme. Beim Microsoft-Workshop diskutierte meine „Concept-Group“, welche Algorithmen sich am besten für unsere Projektidee eignen: Neuronale Netze? Nee, zu aufwändig. Besser „einfachere“ Machine Learning Algorithmen? Aber welche? Was soll der jeweilige Algorithmus können?

Kollage eines Quallen-Bildes, kombiniert mit einem Protestschriftentfernerbild, halbiert - Teil 1 - copyright by form:f - critical : designAlgorithmen rechnen, Menschen entscheidenKollage eines Quallen-Bildes, kombiniert mit einem Protestschriftentfernerbild, halbiert, Teil 2 - copyright by form:f - critical : design

Auf unseren Wunsch hin ließ eine Microsoft-Mitarbeiterin bereitwillig verschiedene Arten von Algorithmen neben einander laufen. Es war faszinierend. Sie zog einfach unterschiedliche Grafikelemente in ein vorbereitetes freies Feld auf ihrem Display, klickte „Go“ und voilá: der Laptop fing an zu rechnen. Hinter den simplen „Buttons“ verbargen sich unterschiedliche Algorithmen mit kompliziertestem Code – von mustererkennenden über -verbessernden Algorithmen u.a. bis zu neuronalen Netzen. Sie fingen an, die hinterlegten Datenmengen zu durchforsten. Die Ergebnisse waren algorithmusabhängig unterschiedlich. Welches das richtige sei, entscheide der oder diejenige, die den Knopf gedrückt hat, erklärte uns die Kaufberaterin.

U35 versus Ü35

Ich saß mitten zwischen den U35s und war völlig fasziniert von diesem entspannten Umgang mit der unsichtbaren Welt der kontrollierten elektrischen Signale. Ihre Unbefangenheit und Entscheidungsfreudigkeit beeindruckte mich, ebenso wie die Voreingenommenheit und der Unwille der Ü35s.

Kollage eines Quallen-Bildes, kombiniert mit einem Bild eines Protestschriftentferners (Spraydose) + Linien- copyright by form:f - critical : designWas ist KI?

In einem sind beide Seiten gleich: Ob abwehrend oder praxisorientiert, niemand scheint sich damit zu befassen, was eigentlich KI ist. Der Unterschied ist lediglich: die einen haben immensen Respekt davor die anderen nicht. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Technik findet nicht statt. Das hat Konsequenzen, denn die digitalen Technologien beeinflussen uns und unsere Umwelt immens. Sie verändern unser Umfeld mit oder ohne unser Zutun.

Das Level-8-Problem

Das relevante Wissen bezüglich KI liegt momentan überwiegend bei den eingefleischten Techis. Kollage eines Fotos einer Qualle, kombiniert mit Fotoausschnitten eines Protestschriftentferners - copyright by form:f - critical : designSie kennen Potenziale und Grenzen der Technik. Für sie ist denn auch KI eine Sau, die alle paar Jahre durchs Dorf getrieben wird. Ihrer Ansicht nach gibt es keine künstliche Intelligenz. Es wird sie auch schwerlich geben. Jaron Lanier ist beispielsweise überzeugt, dass „KI einfach Code und keine neue Lebensform“ ist. Das ist sicher sachlich richtig. Viele lassen sich trotzdem tief von den komplexen Algorithmus-Ansammlungen beeindrucken. Der passende Abstand zum Thema ist aktuell rar. Für den Chaos Computer Club geht es daher zukünftig vor allem um ein Level acht (menschlicher Faktor) Problem.

Volksentscheide für Algorithmus-Vorgaben jetzt!

Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr ist das auch mein Eindruck. Aktuell besteht der menschliche Faktor oft aus emotionalen Reaktionen von Wut bis Begeisterung. Es wär schön, wenn sich das zukünftig ändert, schließlich sind wir auch zu kognitiven Reaktionen in der Lage. Wie wäre es, vor dem Einsatz von wichtigen Algorithmen per Volksentscheid zu entscheiden, anhand von welchen Vorgaben Daten aufgearbeitet werden? Oder was die Algorithmen lernen sollen? Oder welche Ergebnisse die richtigen sind?Was ist KI: kolossale Intervention? Kollage eines verzerrten Quallen-Bildes, kombiniert mit gestaffelten Protestschriftentfernerbildern- copyright by form:f - critical : design Diese Entscheidungen Techniker*innen, der Politik oder der Geschäftswelt zu überlassen, kann Ergebnisse zeitigen, die für die Zivilgesellschaft und die Umwelt schwierig werden.