Was ist KI: Kollektiver Irrglaube?

Und schon wieder: künstliche Intelligenz. Es gibt einfach viele Facetten des Themas, die spannend sind. Diesmal liegt mein Fokus auf dem Begriff selbst.

Was ist KI: Kollektiver Irrglaube? 1. Teil einer Fotokollage bestehend aus einem Foto von Theasereje (GNU Licence) und einer Arbeit von form:f - critical : design

„Rest in peace Brother“, eine achtteilige Collage – viel Spaß beim Zusammensetzen!

Warum heißt der Einsatz von komplexen Algorithmus(-Systemen) eigentlich „künstliche Intelligenz„? Künstlich ist irgendwie verständlich: Auf Rechnern oder Steuerungen läuft Software. Was ist KI: Kollektiver Irrglaube? 2. Teil einer Fotokollage bestehend aus einem Foto von Theasereje (GNU Licence) und einer Arbeit von form:f - critical : designDie besteht aus mindestens einem Algorithmus. Das ist eine mathematische Funktion, die sich in eine Aktion übersetzen lässt. Weder die Hard- noch die Software, die die Aktion zustande bringt, ist natürlich. So weit so gut – „künstlich“ wär dann mal grob geklärt. Aber warum um alles in der Welt „Intelligenz„?

Digitale „Spezies“

Das Wort Intelligenz macht den Begriff so spannend und so menschlich. Er klingt nach: jetzt ist die Digitalisierung wirklich ernst. Er klingt nach: die Maschinen werden uns ebenbürtig. Er klingt nach: wir müssen Gesetze neu entwickeln, Versicherungen neu regeln, Moralvorstellungen umkrempeln – und das alles am besten gestern. Er klingt nach: Wir müssen verstehen (lat. interlegere), dass demnächst eine neue „Spezies“ auf diesem Planeten rumläuft. Sie kann Menschen überlegen sein, weil sie intelligenter ist.Was ist KI: Kollektiver Irrglaube? 3. Teil einer Fotokollage bestehend aus einem Foto von Theasereje (GNU Licence) und einer Arbeit von form:f - critical : design

Bei der „Spezies“ handelt es sich um von Menschen erfundene Produkte (Rechner, Roboter,….) aller Art, die möglichst viel ohne menschliches Dazutun leisten sollen. Sie vernetzen Menschen und erleichtern ihnen das Leben. Sie selektieren die (menschliche) Spreu vom Weizen. Sie beschleunigen und strukturieren (menschliche) Arbeitsprozesse und, und, und.

 

Was ist Intelligenz?

Menschen haben sich das Wort „Intelligenz“ ausgedacht. Es bezeichnet eine Fähigkeit – eine, die bisher nicht klar definiert ist – im Gegenteil: sie ist ganz schön relativ. Im Duden steht: Intelligenz ist die „Fähigkeit [des Menschen], abstrakt und vernünftig zu denken und daraus zweckvolles Handeln abzuleiten. Wikipedia diskutiert den Begriff vor allem als psychologisches Phänomen ohne eine eindeutige Definition anzubieten. Auch in der Neurobiologie ist Intelligenz ein intensiv beforschtes Thema, denn ein genetischer Anteil ist nicht mehr abzustreiten. Was ist KI: Kollektiver Irrglaube? 8. Teil einer Fotokollage bestehend aus einem Foto von Theasereje (GNU Licence) und einer Arbeit von form:f - critical : designAuch hier ist bisher nicht ganz klar, was für Intelligenz verantwortlich ist. Sich selbst hält der Mensch natürlich für das intelligenteste Lebewesen dieses Planeten, auch wenn er es laut der Uni Adelaide gar nicht ist.

natürliche Intelligenzen, auch gern emotional

Bei natürlicher Intelligenz geht es vor allem darum, festzustellen, wie gut ein Lebewesen im Vergleich zu anderen mit seiner Umwelt zurechtkommt – Maßstab ist natürlich der Mensch. Besonders in den Industrienationen messen und sortieren wir uns auch gern untereinander, denn auf unsere Intelligenz sind wir stolz. Sie ist uns wichtig – je intelligenter desto besser. Ausgefeilte Tests wurden entwickelt, die immer öfter zum Einsatz kommen. Inzwischen sind oft mehrere Intelligenzen in Diskussion.  7. Teil einer Fotokollage bestehend aus einem Foto von Theasereje (GNU Licence) und einer Arbeit von form:f -critical : design Dazu fällt mir nebenher ein: Besonders angetan hat es den Intelligenzverfechter*innen die emotionale Intelligenz. Von der sind auch KI-Fans begeistert. Weniger aus Intelligenzgründen, sondern eher aus der Erkenntnis heraus: wenn es schnell gehen muss, entscheidet der Mensch emotional. Digitale Systeme, die mit Nachahmungen von Emotionen gefüttert werden, kommen mit geringerer Prozessorgeschwindigkeit und weniger Speicher aus.

Intelligenz künstlich?

Im Gegensatz zur natürlichen geht es bei künstlicher Intelligenz nicht um einen Vergleich innerhalb der Umwelt. Auch hier nimmt sich der Mensch natürlich selbst zum Maßstab. Jetzt geht es darum, dass ein Algorithmen-System ein Problem nach menschlichen Vorgaben und Vorstellungen löst – zu seiner Zufriedenheit, versteht sich. Wenn die Problemlösung als richtig und schnell bewertet wird, heißt es: Das System ist „intelligent“.Was ist KI: Kollektiver Irrglaube? 6. Teil einer Fotokollage bestehend aus einem Foto von Theasereje (GNU Licence) und einer Arbeit von form:f - critical : design Beschreibt Massendatenverarbeitung auf komplexen mathematischen Wegen wirklich „Intelligenz“? Sind nicht die, die die Wege entwickelt haben mehr oder weniger „intelligent“? Ist die Hardware nicht lediglich leistungsfähig genug, die Eingaben zur Zufriedenheit auszuführen? Ist es wirklich schlau, etwas „intelligent“ zu nennen, dessen Auswirkungen auf das Umfeld selten klar sind? Ich bin da nach wie vor unschlüssig.

wie emsige Ameisen

Mit ihrem relativen Merkmal „Intelligenz“ entscheiden Menschen,  ob die Ergebnisse des Systems in das von ihnen gewählte Umfeld passen. Überall wimmelt es auf dem Weg zum Ziel von Menschen: Wir arbeiten zu und mit. Wir fällen tausende kleinere und größere Entscheidungen – und tragen dafür die Verantwortung. Wird hier nicht vielleicht ein komplexer Teil der Informationstechnik deswegen mit dem Wort „Intelligenz“ belegt, weil wir so begeistert von unseren eigenen Fähigkeiten sind? 5. Teil einer Fotokollage bestehend aus einem Foto von Theasereje (GNU Licence) und einer Arbeit von form:f - critical : designHätten wir es nicht einfach gern, wenn Produkte aus unserer Hand eben nicht nur schnöde Objekte sind, sondern auch noch „intelligent“? Wär das nicht eine wunderbare Bestätigung für unser Ego?

Selbstreflektion?

 „Künstliche Intelligenz“ nutzen wir  auch, um uns selbst zu spiegeln. Oder wir setzen uns ins Verhältnis zu einem Algorithmen-System in einer Black-Box und vergleichen z.B. die Fähigkeit ähnliche Worte zu erkennen untereinander. Fällt uns nicht sofort auf, dass die Box kein Mensch ist, z.B. weil sie die gleichen Antworten parat hat wie ein Mensch, nennen wir sie „intelligent“. Last but not least versuchen wir uns selbst besser kennen zu lernen, indem wir uns nachbauen – ein Menschheitstraum, der schon sehr lange existiert. Das zeugt von Selbstverliebtheit, Neugier und Spieltrieb. Aber ist das alles wirklich intelligent? Oder ist es eher kollektiver Irrglaube?

Was ist KI: Kollektiver Irrglaube? 8. Teil einer Fotokollage bestehend aus einem Foto von Theasereje (GNU Licence) und einer Arbeit von form:f - critical : design

Wieviele Gehirne hat das gezeigte Tier? Welche Intelligenzen hat es?