KI lernt e-Radfahren

Gerad war die Velo Berlin. Für mein Projekt digital.bike.23 war sie Pflicht. Sie ist natürlich auch ein willkommener Anlass mal zu gucken, wo KI bezüglich (E-)Bikes gerade steht. Kurz resümiert: im Bike-Alltag ist wenig KI angekommen. Im Hintergrund laufen jedoch die Entwicklungen auf Hochtouren. Die Branche mutiert zu einem großartigen Anschauungsbeispiel dafür, was im Zusammenspiel zwischen Hardware, Software und User*in möglich ist. Leichter als in anderen Branchen lässt sich erkennen, was gezielt eingesetzte Sensoren bewirken können und wie Vernetzung und Algorithmen Radler*innen das Leben leichter macht  – und abhängiger.Wie verändert die Digitalisierung die Form von Pedelecs? Kollage eines Kolorierten Fotos mit einem Handentwurf eines E-Bikes____source: form:f - critical : design

Viele Hersteller sind mittendrin im Erfinden neuer digitalisierter Gadgets für die Zweiradmobilität. Es werden Fahrradlampen, die Schlaglöcher „erkennen“ ausgedacht oder smarte Helme oder, oder, oder. Alle sind irgendwie connected. Die meisten sammeln irgendwie Daten, denn ohne große Datenpools keine KI – nicht mal ML.

Firmen-Clouds wachsen stetig

KI lernt e-Radfahren: Herrenbike-Rendering in schwarz + orange, 1. TeilBesonders viel anfangen können die Großen mit den Daten. Bosch machte 2014 seine E-Bikes „smart“ und bot seinen Kund*innen an, ihre Daten in der hauseigenen Cloud zu speichern. Ob Fitness-, Routen- oder Antriebsdaten, alle landeten auf den Bosch-Servern. Der Sammeleifer zahlt sich jetzt aus. Der Konzern hat seinen großen Auftritt im bunten KI-Business. Aus allen Geschäftsfeldern fließen die Daten dafür zusammen. Seit 2017 verfügt der Konzern über ein hauseigenes 3. Teil eines Damenbike-Renderings: abgebildet: transluzentes Schutzblech + Teil des Hintewrradesrrades mit rosa Narbe // Rahmenfarben: rosa, maigrün, silberKI-Kompetenzzentrum – eine folgerichtige Konsequenz. Bosch schreibt sich passend dazu eine  führende Rolle im IoT zu. Ein „Connected Biking System“ eines 2017 an den Konzern gedockten StartUps vernetzt die Bosch-Räder besonders smart. Da wird das eigene Smartphone zur Schaltzentrale für diverse Services – dauernde Updates und Upgrades inklusive. Das ist nicht neu. Der Konzern verfolgt das Thema jedoch sehr konsequent. Das Thema Datentransparenz für Kund*innen ist in seinen FAQs bisher leider nicht zu finden.

Macht´s China vor?

Insgesamt scheinen sich Kund*innen ohnehin wenig dafür zu interessieren, wo ihre Daten hingehen. KI lernt e-Radfahren: Herrenbike-Rendering in schwarz + orange,2. TeilDas ist erstaunlich, denn es werden immer mehr Daten abgefordert. Möchte man/frau ein günstigeres Velo-Ticket ergattern, ist die Angabe der kompletten Anschrift inkl. Mail notwendig. Klar, das ist inzwischen State of the Art. Trotzdem: für die Messe Friedrichshafen ist es ein prima Deal; 2€ sind für Adressen und Metadaten sicher günstig.

Es geht auch ganz anders. Mit einer chinesischen Uni entwickelte BMW ein Konzept für eine KI lernt e-Radfahren: Herrenbike-Rendering in schwarz + orange, 3. Teilgebührenpflichtige Radhochstraße in Shanghai. Abgerechnet werden soll dort per Gesichtserkennung. Konzepte wie diese sind in China inzwischen an der Tagesordnung. Die Bevölkerung scheint sie zu akzeptieren.

Businessmodelle für Mikro-Hersteller

Durch algorithmische Lösungen sind zudem extrem schlanke neue Geschäftsstrukturen möglich. Der Quereinsteiger Peter Manstein aus Berlin ist dafür ein beeindruckendes Beispiel. Seine kleine Firma ist quasi eine One-Man-Show. Dank cleverer Automatisierung und Vernetzung lässt sich sein Edelbike mit extrem geringen Administrationskosten fast On-Demand fertigen. 4. Teil eines Damenbike-Renderings: abgebildet: Tretlager + Teil des Vorderrades mit vier Speichen // Rahmenfarben: rosa, maigrün, silberEin Klick auf „Bestellen“ und der Zusammenbau- und Lieferprozess ist automatisch angeschoben – so die Idee. Nach korrekter System-Implementierung ist für Manstein zudem fast nichts mehr zu tun – außer vielleicht Qualitätskontrolle und der Blick auf’s Konto. Aktuell ist das Projekt noch in der Etablierungsphase. Ob die Businessidee wirklich aufgeht, wird sich zeigen.

Die Sache mit den Plattformen

1. Teil eines Damenbike-Renderings: abgebildet: C-gebogener Lenker + Display // Rahmenfarben: rosa, maigrün, silberDank Digitalisierung werden die schnellen Flitzer kontinuierlich interessanter für die Automotive-Branche. Die ist zwar in Deutschland in Sachen umweltfreundliche Mobilität deutlich spät dran. Die Datenmengen, die durch Connected Mobility entstehen, haben es aber allen Konzernen angetan. Da freundet man sich sogar mit Pedelecs an – natürlich nicht als Fahrzeug, sondern als Mobility as a Service und als Fitnessgerät. PKW-affine IT-Unternehmen haben Biker*innen deshalb neu entdeckt: als Datenlieferant*innen für ihre „neutralen“ Plattformen – natürlich ist der Service „gratis“.

Besonders beim Bike-Sharing macht sich die Digitalisierung bemerkbar. KI lernt e-Radfahren: Herrenbike-Rendering in schwarz + orange, 4. TeilGroße Plattformen haben die E-Zweirad-Mobilität für sich entdeckt – als Datengeneratoren und für -businessmodelle – Sharing will schließlich finanziert sein. Ohne gut funktionierende Algorithmen wäre das Ausleihen sicher deutlich weniger komfortabel. Einfach App öffnen, Bike registrieren und losfahren; das ist schon klasse. Diverse Hersteller schütteten wegen der neuen Möglichkeiten große Leih-(E)-Bike-Flotten über viele Städte aus. Die verhalten sich öfter mal eher defensiv. Achtlose System-Anbieter verursachen zu viele kommunale Zusatzkosten.  Noch ist deshalb nicht klar, ob die Sharing-Systeme Flop oder Top werden.

digital.bike.23

Nun könnte frau/man meinen, es ginge aktuell vor allem darum, User*innen ein bisschen mit Sensoren und Algorithmen rum experimentieren zu lassen, an ihre Daten zu kommen, und mit neuen Geschäftsmodellen gut an ihnen zu verdienen. Aber so einfach ist es nicht. Wie vieles andere krempelt die Digitalisierung auch die E-Bike-Mobilität unglaublich schnell um. Die Schattenseiten lassen sich leider schlecht unter den Teppich kehren. Die Lichtseiten strahlen allerdings auch hell. Beispielsweise rückt das Chainless Bike in greifbare Nähe. 2. Teil eines Damenbike-Renderings: abgebbildet: Gepäckträger in Blattform + Sattel // Rahmenfarben: rosa, maigrün, silber ABS für E-Bikes wird endlich  marktfähig.

Mobilität ist eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen. Durch die Digitalisierung sind endlich reale Chancen da, Mobilität umweltfreundlich multimodal und komfortabel zu gestalten. digital.bike.23 will dazu einen konstruktiven Beitrag leisten. Es rückt vor allem etwas ins Rampenlicht, das aktuell wenig berücksichtigt wird: Human centered connected Mobility – durch OpenSource.